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Behandlung des Diabetes mellitus

Die Behandlung des Diabetes mellitus kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Je nach Typ und Ausprägung ist die Einnahme von Tabletten oder die Verabreichung von Insulin nötig.

Mit Tabletten (Antidiabetika) können nur Typ 2-Diabetiker behandelt werden. Diese beeinflussen die körpereigenen Funktionen des Diabetikers, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Tabletten können nur verwendet werden, solange noch körpereigenes Insulin in ausreichenden Mengen produziert wird. Allerdings kann die Einnahme von Tabletten das Fortschreiten des Diabetes mellitus Typ 2 in der Regel nur verzögern.

Deshalb ist eine Umstellung des Lebensstils zusätzlich erforderlich, um den Blutzuckerspiegel aktiv zu senken. So kann man das Spritzen von Insulin vermeiden oder zumindest möglichst lang herauszögern. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Das ist aber auch für die allgemeine Gesundheit, Ihr Wohlbefinden und ein langes Leben eine lohnenswerte Investition.

Wenn gar kein Insulin mehr produziert wird oder die Menge nicht ausreicht, muss dem Körper Insulin zugeführt werden. Das is er Fall bei einem Typ 1-Diabetes oder im späteren Stadium des Typ 2-Diabetes. Insulin kann nicht in Form von Tabletten verabreicht werden, da es sonst im Magen abgebaut wird, bevor es in den Blutkreislauf gelangt. Die Verabreichung von Insulinen erfolgt deshalb durch Spritzen, Insulin-Pen oder Insulinpumpen. Mit dem Insulin-Pen werden jeweils morgens und abends die langwirkenden Basal-Insuline verabreicht und zu den Mahlzeiten die schnell wirkenden Bolus-Insuline. Die Menge der Bolus-Insuline wird an die geplante Aufnahmemenge der Kohlenhydrate angepasst. Mit der Insulinpumpe werden die Insulin-Mengen passend eingestellt und normalerweise alle 3 Minuten über einen Katheter und eine Injektionsnadel in den Körper geleitet. Das Prinzip mit Basis- und Bolus-Insulinen ist identisch mit der subkutanen Verabreichung (unter die Haut in das Fett- und Bindegewebe) mit Spritzen oder Insulin-Pens.

Basistherapie (nur Typ 2)

Die Basistherapie ist die erste Stufe der Diabetesbehandlung. Der behandelnde Arzt versucht mit dem Patienten gemeinsam den aus der Balance geratenen Blutzuckerspiegel in einen deutlich gesenkten Zielkorridor zu führen. Wer in dieser frühen Phase diszipliniert zu Werke geht, hat gute Chancen die aufgetretene Glukoseintoleranz abzuschwächen. Der Diabetiker wird in erster Linie darin geschult, den Lebensstil aktiv zu ändern. In der Regel wird im Rahmen einer Ernährungs- und Bewegungstherapie versucht, das Körpergewicht abzusenken und die Bewegung deutlich zu steigern.

Eine Gewichtsreduktion sorgt dafür, dass die Insulinmenge für die Versorgung des Körpers besser ausreicht, Sport und Muskelaufbau erhöhen den Energieverbrauch und senken den Blutzuckerspiegel natürlich, eine veränderte Nahrungsaufnahme reduziert den Insulinbedarf. Zusätzlich sorgt die erhöhte körperliche Aktivität für eine verbesserte Reaktion des Körpers auf das Insulin (gesteigerte Insulinsensitivität).

Pharmaka-Monotherapie oder Zweifachkombination (nur Typ 2)

Wer mit einer Basistherapie nach 3 bis 6 Monaten die Vorgaben für den Langzeitblutzuckerspiegel (HbA1c) nicht erreicht, wird direkt im Anschluss mit sogenannten oralen Antidiabetika behandelt. Dabei können zeitweise unterschiedliche Wirkstoffe miteinander kombiniert werden, bis die passende und wirksamste Kombination gefunden wird. Die Basistherapie zur Lebensstiländerung wird beibehalten und um die Medikamte ergänzt. Zu diesem Zeitpunkt wird immer noch eine Restmenge an Insulin im Körper produziert.

Insulin- (bei Typ 1 und Typ 2) oder Kombinationstherapieformen (nur Typ 2)

In der dritten und ggf. vierten Stufe, wenn das körpereigene Insulin nicht mehr für die Regulierung des Blutzuckerspiegels ausreicht, werden unterschiedliche Insuline verabreicht. Bei einem schweren Verlauf sind zu den Insulinen zusätzlich orale Antidiabetika einzunehmen. In diesem Stadium steigt das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich an.

 

Insulin-Arten bei Diabetes

Insulin-Stechhilfen

Insulin ist ein Hormon zur Behandlung der Zuckerkrankheit. Es ist ein Botenstoff, der wichtige Informationen innerhalb des Körpers weitergibt. Insulin wird normalerweise in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und signalisiert dem Körper, dass man nun satt ist. Hierdurch strömt im Blut vorliegende Glukose in Muskeln und Gewebe. Dies füllt die Brennstoffreserven des Körpers auf und hilft beim Aufbau von Proteinen wie Muskelproteine. Die Ausschüttung von Insulin entfernt Glucose aus dem Blut und senkt folglich den Blutzuckerspiegel. Der abfallende Blutzuckerspiegel hat eine direkte Wirkung auf die Insulinausschüttung. Diese nimmt ebenfalls ab, und der Insulinspiegel sinkt.

Im Gegenzug zum sinkenden Insulinspiegel steigt der Glucagonspiegel. Glucagon ist ebenfalls ein Hormon und der „Gegenspieler“ des Insulins. Glucagon signalisiert den Bedarf von Brennstoffen, also dass man Hunger hat. Glucagon sorgt für eine Beendigung der Brennstoffeinlagerung und setzt eingelagerte Glucose frei, sodass der Blutzuckerspiegel wieder ansteigt.

Im Normalzustand sind Insulin und Glucagon wichtige Kontrollelemente des Hunger-Sättigungs-Zyklus. Funktionieren beide, befindet sich der Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht. Beim Diabetes mellitus kommt es zu Funktionsstörungen, die durch den Mangel oder die verminderte Reaktion des Körpers auf Insulin verursacht werden. Die Verabreichung von Insulin soll dieses Gleichgewicht wieder herstellen. Ziel ist also immer, den normalen Stoffwechselvorgang (Körperzellen mit Energie zu versorgen) nachzuahmen.

Je nach Anwendung und Bedarf werden die Insuline in drei Kategorien unterteilt:

SeitenanfangInsulin muss bei der Lieferung gekühlt transportiert werden. Es darf weder gefrieren noch zu stark erhitzt werden. Frisches Insulin kann im Kühlschrank bei 2-8° aufbewahrt werden. Angebrochenes Insulin kann bis zu max. 6 Wochen höchstens bei 30° ohne Sonnenlicht gelagert werden. Eine Bestellung aus Deutschland im Ausland ist aufgrund der langen Lieferzeiten und der notwendigen teuren Kühlung nicht ratsam.

 

Darreichungsformen von Insulinen

Fast 2 Millionen Diabetiker in Deutschland müssen sich regelmäßig zur Behandlung ihrer Zuckerkrankheit Insulin injizieren. Dies tut nicht weh, kostet aber am Anfang etwas Überwindung.

Das Insulin wird mittels eines Pens, einer Spritze oder einer Pumpe in das Fettgewebe (z. B. Bauch, Oberschenkel oder Gesäß) verabreicht:Insulin-Pen

 

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Bei der Zuckerkrankheit kann schon eine normale Erkrankung, wie beispielsweise eine Erkältung, Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben. Deshalb ist es wichtig, den Blutzuckerspigel genau im Auge zu behalten und eventuelle Veränderungen an den behandelnden Arzt weiterzugeben.

Die zusätzliche Einnahme von Medikamenten kann die Wirkung von Antidiabetika und Insulin stark beeinflussen oder unerwünschte Nebenwirkungen bei Diabetikern verursachen. Darum ist es für Diabetiker besonders wichtig, sich zu informieren, z. B. mithilfe des Beipackzettels, des Arztes oder eines Apothekers. Sonst kann der Ablauf der Diabetesbehandlung negativ beeinflusst werden.

Auftretende Unterzuckerungen

Eine der häufigsten Ursachen für erforderliche Notfallbehandlungen ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie). Erste Warnzeichen sind z.B. starkes Schwitzen, Herzrasen, Heißhunger und Zittern. Im weiteren Verlauf treten Konzentrations-, Bewusstseins- und Koordinationsstörungen auf. Das kann gefährliche gefährliche Konsequenzen haben, z. B. wenn der Patient am Steuer bewusstlos wird.

Tückisch ist, dass die Wahrnehmung für erste Anzeichen abstumpft oder sogar ausbleibt, je länger der Patient schon erkrankt ist. Deswegen sollte jede Unterzuckerung sorgfältig dokumentiert werden, damit alle Einflüsse (Ernährun, Sport, Alkohol, Medikamente) mit dem Arzt analysiert werden können und die Behandlung ggf. angepasst werden kann.

Unterzuckerungen erkennen

Wichtig ist, dass Sie jede Unterzuckerung erkennen, damit Sie die richtigen Schlüsse ziehen und zukünftig konsequent gegensteuern können. In der frühen Phase der Unterzuckerung treten Blässe, Schweißbildung, weite Pupillen, Zittern, beschleunigter Puls und z.B. Heißhunger auf. Wenn der Zuckermangel das Gehirn erreicht kribbeln die Lippen unangenehm, Kopfschmerzen und Nervosität treten auf. Einige Diabetiker zeigen starke Verhaltensänderungen (werden aggressiv oder extrem albern), erste Bewusstseins- sowie Sprach-, Bewegungs- oder Sehstörungen. Wer diese Anzeichen missachtet oder nicht sofort entgegenwirkt, muss mit Lähmungserscheinungen, Krämpfen und Bewusstlosigkeit rechnen.

Erste Hilfe im Notfall

In der ersten Phase (Milde Hypoglykämie, 40-60 mg/dl) kann der Betroffene noch für eine schnelle Kohlenhydrataufnahme sorgen. Wichtig ist, dass Sie Lebensmittel verwenden, die schnell verstoffwechselt werden können und wenig Fett beinhalten. Fetthaltige Lebensmittel (z.B. Schokolade) verzögern die Aufnahme des Zuckers. Am besten eignen sich ca. 6-8 Stück Würfelzucker, 20 Gramm Traubenzucker, oder ca. 0,2 Liter Cola, Fanta oder Fruchtsaft. Bitte verwenden Sie dabei keinesfalls Light-Produkte, da diese keinen Zucker enthalten.

Bei schweren Unterzuckerungen (Schwere Hypoglykämie, <40 mg/dl) verständigen Sie bitte sofort den Notarzt und lagern in der Zwischenzeit den Betroffenen in der stabilen Seitenlage. Sollte der Patient noch bei Bewusstsein sein, können Sie versuchen 300 bis 500 ml Fruchtsaft zu verabreichen.

In beiden Fällen sollten Sie nach ca. 15 Minuten den Blutzuckerspiegel erneut bestimmen und bei weiterhin niedrigen Werten weitere Glukose zuführen.

Verliert der Betroffene das Bewusstsein, entfernen Sie Speisereste und verabreichen Sie keine Flüssigkeit mehr, da ansonsten eine akute Erstickungsgefahr besteht. Falls Sie Glukagon in Reichweite haben und wissen, wie Sie dieses in Oberarm, Oberschenkel oder Gesäßbereich verabreichen, sollten Sie es sofort spritzen.

Jeder Notfall kommt überraschend und überfordert häufig die beteiligten Personen. Deswegen sollten Sie einen Plan für die Vorgehensweise im Notfall ausdrucken, bei sich tragen und auch Ihren Angehörigen geben. Hier finden Sie ein Erste-Hilfe-Schema des Diabetesinformationsdienstes München.

 

Nachsorge bei Folgen des Diabetes

Behandlung von Diabetes-FüßenDer Diabetes mellitus zieht über einen längeren Zeitraum Folgeerkrankungen mit sich, die sorgfältig überwacht und behandelt werden müssen. Die Selbstkontrolle ist ein wichtiges Instrument, um Verschlechterungen und Komplikationen zu vermeiden. Es hilft enorm, gut über die typischen Merkmale von Folgeerkrankungen informiert und stets aufmerksam zu sein, um betroffene Körperstellen optimal versorgen zu können.

Besondere Aufmerksamkeit sollten Diabetiker der Fußpflege schenken, da Füße durch Nervenschäden und Durchblutungsstörungen häufig empfindlicher auf Druckstellen reagieren. Entstehende Wunden werden durch das gestörte Schmerzempfinden später oder gar nicht wahrgenommen und es kommt zu einer Entzündung. Diese klingt aufgrund der verschlechterten Wundheilung beim Diabetes Mellitus nur sehr langsam ab und sorgt für eine verlängerte Leidenszeit.

Bei der Zuckerkrankheit ist man auch anfälliger für Erkrankungen im Mundraum. Diabetiker sollten deswegen stark auf eine gute Mundhygiene achten, um Parodontitis und Entzündungen vorzubeugen.

Die Sehkraft ist durch Diabetes mellitus oft in Mitleidenschaft gezogen. Selbstbeobachtung kann helfen, Veränderungen früher wahrzunehmen und entgegenzusteuern. Ein regelmäßiger Besuch beim Augenarzt hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, den Verlauf zu überwachen und einer Erblindung vorzubeugen. Bei Bedarf kann eine therapeutische Maßnahme, wie z. B. die Verödung der Netzhaut, die Betäubung des Augapfels mittels Spritzen oder die operative Entfernung des Glaskörpers eingeleitet werden. Vorübergehende Schwankungen der Sehkraft können durch eine Veränderung des Blutzuckerspiegels, z. B. durch Neueinstellung des Diabetes mellitus mit Insulin, hervorgerufen werden. Dies liegt daran, dass der erhöhte Blutzuckerspiegel sich auf die Brechkraft der Linse auswirkt. Diese schwillt bei einem hohen Blutzucker an, und das Gehirn passt sich an die veränderte Situation an. Sinkt der Blutzuckerspiegel, benötigt das Gehirn bis zu mehrere Monate, um sich schrittweise auf die neue Situation einzustellen. Der Kauf einer Sehhilfe in diesem Zeitraum sollte gut überdacht werden, da sich die Sehfähigkeit in der Regel rapide verändert, bis sie sich wieder eingependelt hat.

 
 

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