Vor- und Nachteile: Smartphone und Gesundheit

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Smartphone und Gesundheit

Gesundheits-Wissen

Wie ein Smartphone die Gesundheit beeinflusst

Es ist eine sehr beeindruckende Zahl, die der Digitalverband Bitkom Anfang 2017 publizierte: 78 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren, also fast 54 Millionen Menschen, besitzen ein Smartphone. Damit gehören diese Geräte zu den in der Bevölkerung am weitesten verbreiteten technischen Gegenständen überhaupt. Tendenz ungebremst steigend. Angesichts der mobilen Natur, ihrer dauerhaften Internet-Verbinung und vor allem der zahlreichen Sensoren, mit denen sie bestückt sind, werden Smartphones für diese gewaltige Masse an Menschen auch in einem gesundheitlichen Umfeld zu einem mächtigen Faktor, der allerdings sowohl Vor- wie Nachteile aufweist. Mit beidem beschäftigt sich der folgende Artikel.

 

Vorteil: Immer dabei

Der vielleicht massivste Vorteil der smarten Telefone ist ihre „Immer dabei“-Natur: Tablettenspender, Medikamentenfläschchen, ja selbst eine Pulsuhr. Das sind alles Gegenstände, die man nicht mit einer spielerischen Natürlichkeit einsteckt, wenn man das Haus verlässt. Das Smartphone indes gehört schon wegen seiner Bevölkerungs-Durchdringung zu denjenigen Gegenständen, welche die meisten Menschen ohne nachzudenken mit der gleichen Selbstverständlichkeit in Hosen- oder Handtasche packen, wie Portemonnaie und Haustürschlüssel.

Völlig weg von Kritik an der daraus resultierenden Dauer-Erreichbarkeit hat das in einem medizinischen Umfeld, wie noch weiter vertieft wird, einen sehr massiven Vorteil. Denn alles, was man gedankenlos mit sich führen kann, ist immer optimaler, als etwas, für das man einen gesonderten Gedankengang bemühen müsste.

 

Nachteil: Neue Krankheitsbilder

Klein, relativ leicht und mit sehr hochauflösenden Displays bestückt. Allein aus diesen Tatsachen heraus sollte eigentlich hervorgehen, dass Smartphones sehr ergonomische Geräte sind. Leider ist das Gegenteil der Fall, denn gleichzeitig mit dem Aufkommen dieser hochentwickelten Mobiltelefone manifestierten sich in der gesamten Welt zwei Krankheitsbilder, die so zuvor praktisch keine Rolle spielten:

  1. Der sogenannte Smartphone-Nacken. Er resultiert aus der nach vorne gebeugten Kopfhaltung, welche die meisten Nutzer an den Tag legen und dem dadurch stark erhöhten Gewicht, welches auf der Wirbelsäule lastet. Zum Vergleich: Bei senkrechter Kopfhaltung lastet auf der Wirbelsäule ein Gewicht von zirka vier Kilogramm, bei einem 45° nach vorne über das Display gebeugten Kopf hingegen 22 Kilogramm.
  2. Der SMS-Daumen. Er ist Medizinern zwar schon aus früheren Handy-Zeiten bekannt, bekam durch die ungleich vielfältigeren Funktionen des Smartphones jedoch stark gesteigerte Bedeutung. Er resultiert aus der typischen Bedienung der berührungsempfindlichen Bildschirme mit den Daumen, welches deren Bewegungsapparat auf Dauer überanstrengt und zu Symptomen von typischen Gelenkbeschwerden bis hin zu Sehnenscheidenentzündungen ähnlich dem Tennisarm führt.

Des Weiteren haben auch die strahlenden Auswirkungen der Smartphones noch weiterreichende Konsequenzen: Das von den Displays abgestrahlte Licht ist als Schlafstörer bekannt, die Funkwellen stehen im Verdacht, Tumoren zu begünstigen.

 

Vorteil: Datensammlung

Wie bereits angesprochen entsteht durch die dauernde Verfügbarkeit und Sensorik des Smartphones in Verbindung mit der schier unglaublichen Zahl an vorhandenen Apps ein großer Vorteil. Er wird unter dem Begriff des Quantified Self subsummiert, zu Deutsch also der smarten Vermessung des eigenen Ichs. Auf einer primären Basis sorgen die Sensoren und Apps dabei dafür, dass ihre Benutzer ein verbessertes Körpergefühl bekommen, sich verantwortlicher für sich selbst fühlen. Das ermöglichen Programme, die beispielsweise:

  • die täglich absolvierten Schritte zählen und einen bei zu wenig Bewegung alarmieren
  • den Kalorienverbrauch überwachen und dazu passende Fitnessübungen anbieten
  • an die Einnahme von Heilmitteln erinnern
  • den Schlaf analysieren, bewerten und ihn so verbessern helfen
  • Vitaldaten zwischen Pulsfrequenz und Blutdruck bis hin zur Atmung kontrollieren

Ferner existieren auch Apps, welche die Verbindung mit anderen Geräten ermöglichen – etwa elektrischen Zahnbürsten und so eine effizientere Nutzung dieser erlauben. Allerdings ist das wie erwähnt nur die Basis. Auf einem höheren Level sammeln Sie all diese Daten praktisch nebenher und speichern diese über lange Zeit. Das bietet, neben allen Zweifeln, eine Reihe schwerwiegender Vorteile.

Was bislang beispielsweise nur höchst unkomfortabel via Langzeit-EKG überwacht werden konnte, wird so kontrolliert, ohne dass der Patient es großartig mitbekommt, selbiges gilt auch für sämtliche anderen Kontroll-Programme auf dem Smartphone. Gleichsam steigert sich dadurch auch die Aussagekraft der Daten, die über einen viel längeren Zeitraum gesammelt werden können. Überdies hat das für Heilpraktiker und Schulmediziner den immensen Vorteil, dass sie präzise Antworten auf Fragen bekommen, statt dem vielleicht menschlich-lückenhaften Erinnerungsvermögen eines Patienten.

Smartphone beim Einschlafen

Nachteil: Suchtverhalten

Es ist kein Psychologie-Studium notwendig, um festzustellen, dass das Smartphone eine Menge Menschen weit über Gebühr in seinen Bann zieht. Tatsächlich ist die Situation vor allem unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen so gravierend, dass der Langenscheidt-Verlag bereits 2015 „Smombie“ zum Jugendwort des Jahres wählte, ein Kofferwort aus Smartphone und Zombie, das solche Personen bezeichnet, die, tief in die Nutzung ihres Handys versunken, durch die Gegend stolpern und dabei auf nichts anderes achten.

Allerdings wäre es keine seriöse Abbildung der Realität, daraus ein reines Jugendproblem zu konstruieren. Im Gegenteil, die Smartphone-Sucht ist, obwohl sie noch kein anerkanntes Krankheitsbild ist, ein Kuriosum. Sie ist völlig unabhängig von Altersstufen und gleichmäßig, nach Nutzungshäufigkeit, auf alle Nutzer verteilt. Das heißt, bei Jugendlichen, wo die Smartphone-Dichte groß ist, gibt es auch mehr Suchtprobleme als bei älteren, weniger technikaffinen Generationen.

Doch woran lässt sich die Smartphone-Sucht festmachen? Es sind einige sehr spezifische Merkmale:

  • Drang, sämtliche Tätigkeiten auf sozialen Netzen per Smartphone öffentlich zu machen
  • Neid/Angst gegenüber den geteilten Erfahrungen anderer
  • Zwang, in kurzen, regelmäßigen Abständen einen Blick auf das Gerät zu werfen
  • Unruhe, sobald es nicht möglich ist, das Smartphone zu nutzen
  • Vernachlässigen von Realwelt-Kontakten zugunsten der Digitalen

Summa summarum geht die Wissenschaft derzeit von einer Prävalenz in Höhe von 30% der jeweiligen Smartphone-nutzenden Altersgruppe aus. Allerdings steckt jegliche Forschung zu diesem Thema noch in den Anfängen, sodass die Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind.

 

Vorteil: Universelle Hilfe

Bei Unfällen geht es oft um Sekunden. Medikamente, etwa die Antibabypille, müssen je nach Präparat mitunter minutengenau eingenommen werden. Rettungsdienste brauchen eine genaue Adresse, um helfen zu können. Einmal mehr brilliert in diesen Punkten das Smartphone in seiner Rolle als dauerverfügbares, omnivernetztes Medium. Es ermöglicht es, via App, zielgerichtet und frei von jeglichen Zweifeln, sich korrekt zu verhalten.

Als sehr nützliches, lebensrettendes Beispiel seien dabei Rettungsdienst-Apps genannt. Nach einem, selbst in Hochstresssituationen verständlichen Schritt-für-Schritt-Schema erklären sie dem Anwender beispielsweise, wie er eine Person in die stabile Seitenlage bringt, eine Herzdruckmassage durchführt, Blutungen stillt.

Andere Apps nutzen die GPS-Funktion des Smartphones, um im Umkreis Ersthelfer zu finden und zu alarmieren. Diese sollten zukünftig ebenfalls diese Programme auf ihren Geräten installiert haben. Darüber hinaus ermöglicht es die gleiche Standort-Funktion, den Rettungsdiensten selbst in höchster Not noch den Aufenthaltsort einer Person mitzuteilen.

Doch ganz weg von solchen lebensbedrohenden Notfällen ist das Smartphone auch noch in weniger dramatischen Situationen ein Helfer, darunter auch Apps in Naturheil-Angelegenheiten:

  • „1000 Kräuter“ listet nicht nur über tausend verschiedene Heilkräuter auf. Außerdem informiert sie auch über ihre Anwendung und hilft beim Suchen und Bestimmen
  • „remidias free“ fungiert als umfangreiches, homöopathisches Nachschlagewerk
  • Die „Globuli-App“ hilft dabei, zu den jeweiligen Beschwerden passende Mittel zu finden.

Allerdings wäre jeder Versuch einer umfangreicheren Liste zum Scheitern verurteilt. Pro Tag kommen dutzende neue Apps auf den Markt, die sich nur mit dem gigantischen Feld der Gesundheit beschäftigen.

 

Nachteil: Paranoia

Ein Nachteil sollte allerdings auch nicht unerwähnt bleiben. Obige Faktoren haben dazu geführt, dass viele Menschen ihren Geräten im Zweifelsfall mehr Glauben schenken, als medizinischem Fachpersonal. Überdies zeigt sich bereits eine exzessive Nutzung just jener medizinischen Funktionen. Eine weitere Spielart der Hypochondrie, die durch die Möglichkeiten der mobilen Online-Diagnostik genährt wird.

 

Fazit

Das Smartphone ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Von einem gesundheitlichen Standpunkt aus gesehen hat das auch viele Vorteile. Allerdings gilt auch bei dieser „Droge“: Die Dosis macht das Gift. Wer das Gerät sinnvoll verwendet, es zu seinem Helfer für mehr Bewegung, gesünderer Ernährung und einem besseren Körpergefühl macht, erntet wirklich nur Vorteile. Jedoch sollte die Technik nie das abschließende Urteil über Symptome und Krankheitsbilder bilden. Nutzen Sie im Zweifel immer einen ausgebildeten Profi, denn eine App wurde nicht zwingend von einem solchen programmiert.

 

Quelle der Bilder:
Bild 1: fotolia.com © sdecoret
Bild 2: fotolia.com © ALDECAstudio

 





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