1. Juli 2026 in Diabetes, Internet News
In Deutschland leben rund 8,9 Millionen Menschen mit Diabetes. Viele von ihnen kennen das Problem: Irgendwann beginnen Füße oder Unterschenkel zu kribbeln, zu brennen oder schmerzhaft zu reagieren, selbst auf leichte Berührungen. Was steckt dahinter, welche Behandlungen gibt es, und kann Cannabis dabei eine Option sein? Ein Überblick für Betroffene.
Bei einem Diabetes, der über längere Zeit nicht optimal eingestellt ist, können die feinen Nervenfasern in den Beinen und Füßen Schaden nehmen. Mediziner nennen das diabetische PolyneuropathieVidaPedia – Polyneuropathie. Ein langes Wort, das einfach bedeutet: „Erkrankung mehrerer Nerven durch Diabetes“. Bei etwa jedem dritten Diabetiker entwickelt sich im Laufe der Erkrankung eine solche Nervenschädigung, und bei vielen davon ist sie schmerzhaft. Ein dauerhaft zu hoher Blutzucker greift die Nerven also an.
Das Tückische dabei: Etwa 75 von 100 Betroffenen merken zunächst gar nicht, dass ihre Beschwerden überhaupt mit den Nerven zu tun haben. Kribbeln, Brennen, ein pelziges Gefühl oder elektrisierende Schmerzen werden oft erst spät als das erkannt, was sie sind. Wer solche Symptome bei sich bemerkt, sollte sie deshalb unbedingt beim nächsten Arztbesuch ansprechen.
Die gängigen Medikamente gegen diese Nervenschmerzen heißen zum Beispiel Pregabalin oder Duloxetin, manchmal kommen auch ältere Antidepressiva zum Einsatz, nicht weil eine Depression vorliegt, sondern weil diese Wirkstoffe auch Nervenschmerzen lindern können.
Das Problem: Diese Mittel wirken nicht bei jedem ausreichend, und sie können Nebenwirkungen haben. Gerade wer zusätzlich ein Herzproblem hat, etwa eine koronare Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen, muss vorsichtig sein. Manche der älteren Antidepressiva können den Herzschlag beeinflussen, und Pregabalin und weitere verursachen bei älteren oder herzkranken Menschen häufiger Schwindel oder Wassereinlagerungen in den Beinen.
Wenn die Standardtherapie nicht so gut wirkt oder schlecht verträglich ist, fragen sich manche Patienten: Könnte Cannabis eine Ergänzung sein?
Seit dem 1. April 2024 gilt in Deutschland ein neues Gesetz, das Medizinal-Cannabisgesetz. Cannabis gilt seitdem nicht mehr als „Betäubungsmittel“ im rechtlichen Sinn. Das hat die Verschreibung deutlich erleichtert:
Hier wird es etwas widersprüchlich und das sollte man auch nicht beschönigen. Eine große, sehr sorgfältige Zusammenfassung vieler Studienergebnisse (ein sogenannter Cochrane-Review, der 21 Studien mit über 2.000 Teilnehmenden auswertete) fand keinen verlässlichen Beleg, dass Cannabis-Arzneimittel besser gegen Nervenschmerzen wirken als ein Scheinmedikament (Placebo). Hinzu kommt: Wer ein THC/CBD-Kombinationspräparat erhielt, berichtete deutlich häufiger über Schwindel, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme.
Auf der anderen Seite gibt es kleinere, ältere Studien mit einem positiveren Bild:
THC, der bekannteste Wirkstoff der Cannabispflanze, kann kurzfristig Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen lassen. Wer bereits eine koronare Herzkrankheit hat oder dessen Blutdruck nicht gut eingestellt ist, sollte das unbedingt mit der behandelnden Praxis besprechen, bevor eine solche Therapie beginnt.
Außerdem kann Cannabis mit blutdrucksenkenden Medikamenten oder Blutverdünnern wechselwirken. Und manche Cannabispräparate steigern den Appetit, das kann sich wiederum auf den Blutzucker auswirken. Auch deshalb gehört eine sorgfältige Voruntersuchung und regelmäßige Kontrolle dazu, egal ob man die Therapie selbst bezahlt oder über die Krankenkasse abrechnet.
Wenn Sie über eine ergänzende Cannabistherapie nachdenken, ist der erste und wichtigste Schritt das Gespräch mit einer schmerztherapeutisch erfahrenen Praxis. Es hilft sehr, wenn Sie vorher zusammenstellen:
Diese Dokumentation erleichtert nicht nur der Ärztin oder dem Arzt die Einschätzung, sondern kann auch dabei helfen, später eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse zu erreichen.
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